top of page
Herbstlaub
d4e4852e8fc30db0b9785ac99e2c5bc5.jpg

aufmerksam | besonnen | verschlossen 

„Fragen stellen ist einfach.

Mit der Antwort leben – das ist der Teil, den niemand übt.“

Dr. Edwin Alston (68) ist seit über drei Jahrzehnten Landarzt in Somerton – einer, der Hausbesuche macht, Diagnosen mit Kaffee serviert und sich nicht aus der Ruhe bringen lässt, selbst bei den größten Traumata. 

Als „Doc“ ist er vielen Familien, ob jung oder alt, bekannt und gilt als vertrauensvoller Ansprechpartner für medizinische Versorgung im ländlichen Raum. Neben seiner ärztlichen Tätigkeit engagiert sich Dr. Alston zeitweise in Gesundheitsaufklärung und schulübergreifenden Präventionsprojekten, weshalb man ihn nicht selten durch die Schulflure schlendern sieht.

image.png

kameradschaftlich | offenherzig |

unaufmerksam

„Ich hab mehr Babyfotos als Strafzettel in der Tasche und ich bin stolz drauf.“

Auch wenn der Traum von einer großen Baseballkarriere nie wahr geworden ist, blickt Aaron Mills (39) mit Zufriedenheit auf seinen bisherigen Werdegang zurück. Als Deputy im langjährigen Dienst ist er in der Nachbarschaft bestens bekannt, vermutlich aus dem Grund, weil er nicht so hart durchgreifen kann, wie man von einem Gesetzeshüter erwarten würde.

Bisher hat er seinen Streifendienst alleine bewältigt, doch seit er kürzlich Vater geworden ist, ist er um jede Gesellschaft froh, der er die Fotos seines Neugeborenen unter die Nase reiben kann.

inspired by © Hira007

image.png

jähzornig | lautstark |

stolz

„Somerton braucht keine Vorschriften. Somerton braucht Leute, die zupacken.“

Wer Ärger sucht, landet früher oder später bei Randal Bellamy (44), denn auch wenn er nicht selber für Chaos sorgen mag, kennt er letztlich genug Leute, die einem eine Nacht hinter Gittern bescheren können.

Nach seiner weniger freiwilligen Entlassung aus der Feuerwehr hat Randal die Autowerkstatt seines Vaters übernommen, wo sich seine Kumpanen regelmäßig treffen, um bei Bier und Motoröl über alles zu schimpfen, was in seiner Heimat schief gelaufen ist.

Wer in Somerton also etwas verändern will, sollte besser nicht an seiner Werkstatt vorbeilaufen ...

© Hira007

3fe81604b28ff7d9942f543e5a4d56e7.jpg

fordernd | intellektuell |

missverstanden

„Alles, was wächst, braucht Geduld. Vor allem kluge Köpfe.“

Margaret Caldwell (62) ist seit Jahrzehnten eine feste Größe an der Somerton High School – nicht durch Lautstärke, sondern durch Haltung.
Mit ihrer ruhigen, leicht ironischen Art und dem unerschütterlichen Glauben an Bildung als Charakterfrage bestreitet sie erfolgreich den turbulenten Lehreralltag.

Miss Caldwell ist nicht streng im klassischen Sinn – sie ist anspruchsvoll. Sie fordert Tiefe, echtes Nachdenken und eigene Haltung, etwas, was viele Jungspunde abschreckt. Doch ihre Mitbewohner im Lehrerwohnhaus wissen: Unter ihrer rauen Fassade liegt ein Kern aus Schokolade.

image.png

idealistisch | weichherzig |

zugewandt

„Ich lerne jeden Tag genauso viel wie meine Schüler.“

Daphne Goodere (22) ist die jüngste Lehrkraft an der Somerton High – und eine der engagiertesten. Frisch von der Universität bringt sie eine sanftmütige, offenherzige Art mit, die selbst skeptische Schüler entwaffnet. Als Betreuerin des Debattierclubs fördert sie nicht nur Argumentationsstärke, sondern vor allem Mut, Fairness und die Fähigkeit zuzuhören – Werte, die ihr ebenso wichtig sind wie der Unterricht selbst.

Trotz ihres jungen Alters hat sich Daphne erstaunlich schnell in Somerton eingelebt. Sie wohnt im Lehrerwohnhaus, kennt inzwischen die besten Abkürzungen zum Ruby’s, die freundlichsten Gesichter im Ort und die Schüler, die ein bisschen mehr Aufmerksamkeit brauchen als andere.

image.png

naturverbunden | rastlos |

unkonventionell

„Hier draußen fühlt sich die Welt richtig an.“

Aufgewachsen in einer kleinen Hütte am Somer Lake, gemeinsam mit seinem Adoptivvater Rick, hat Miloš (17) früh gelernt, sich auf sich selbst zu verlassen. Regeln, Erwartungen oder soziale Spielchen beeindrucken ihn wenig. Stattdessen findet man ihn dort, wo andere nicht einmal suchen würden: hoch oben in den Bäumen oder tief unten in den versteckten Höhlen des Sees. Es ist daher nicht verwunderlich, dass er von seinen Gleichaltrigen als Freak abgestempelt wird.

Doch wer ihn wirklich kennenlernt, erkennt schnell, dass hinter dem schweigsamen, seltsamen Jungen jemand stekt, der mehr sieht, mehr fühlt und mehr sucht, als er je zugeben würde.

© Finnie1515

16a207c858a25344f7e75e98f18090b5.jpg

kultiviert | unnachgiebig |

wachsam

„Hier wird nicht mit Kaugummi gekaut.“

Mrs. Rowena Blight (67) duldet weder Unordnung noch Nachlässigkeit in ihrem Königreich. Mit strengem Dutt, tiefen Falten um die Augen und einer Stimme, die selbst flüsternd Respekt verlangt, wacht sie über Klassiker, Dorfchroniken und vergilbte Jugendromane.

Rowena war einst Lehrerin in Somerton, bevor sie sich der Nachbarschaftsbibliothek verschrieb. Wer ihre Bibliothek betritt, lernt schnell: Hier gelten Regeln. Flüstern ist Pflicht, Sorgfalt eine Selbstverständlichkeit. Wer das nicht versteht, braucht gar nicht erst nach Ausnahmen zu fragen.

image_edited.jpg

kalkulierend | provokant |

unerschütterlich

„Die Leute wollten einen Schuldigen und ich war da.“

An keinem Namen hängt mehr Geflüster als an dem von Robert „Bobby“ Grady (42). Schon zu Schulzeiten galt er als der Junge, der nichts als Ärger versprach. Mit Marys Verschwinden erreichten diese Stimmen jedoch ihren Höhepunkt und aus dem rebellischen Teenager wurde eine Projektionsfläche für Misstrauen, Hass und allerlei Gerüchte.

Heute lebt Bobby in Atlanta, der Südost‑Zweigstelle von Weylan Corporation. Nach außen wirkt er beherrscht, ruhig – fast unauffällig –, doch unter dieser kontrollierten Oberfläche brodelt ein Sturm, der Erinnerungen an eine Zeit wachhält, mit der er längst nicht abgeschlossen hat.

© Borin

1798ab79135a729f36c50bc876355932_edited.jpg

stolz | traditionell |

verschwiegen

„Tut, was ihr für nötig haltet. Findet Mary.“

Elias Somer († 86) war eine stille Legende in Somerton. Als letzter Inhaber des altehrwürdigen Somer & Sons Antiquariats hütete er nicht nur Bücher und Relikte, sondern auch Erinnerungen, Versprechen und Schuld.

Seit Marys Verschwinden war er nicht mehr derselbe. Schweigend ertrug er die Last seiner zerbrochenen Familie. In seinem verwitterten Antiquariat, zwischen verstaubten Seiten und vergessenen Namen, lebte er die letzten Jahre wie ein Chronist der Vergangenheit – zu stolz, um um Hilfe zu bitten, zu stolz, um sich zu vergeben. Mit seinem Ableben will er nun für Gerechtigkeit sorgen.

GENERAL

In Somerton kennt man sich – oder glaubt es zumindest. Manche Namen fallen bei jeder Stadtversammlung und andere nur hinter vorgehaltener Hand. 

Die Stadt mag klein sein, doch ihre Bewohner sind vielfältig, eigenwillig und tief mit der Geschichte des Ortes verwoben. Alteingesessene Familien, Zugezogene mit Geschichten im Gepäck, stille Mitläufer und Namen, die nur noch auf vergilbtem Papier existieren. Jeder von ihnen prägt Somerton auf ihre Weise und egal, wohin es einen am Ende auch verschlagen wird, ein Teil von sich selbst hat man doch in Somerton zurückgelassen.

  • Tumblr
  • Pinterest
  • Spotify
  • Tumblr
  • Pinterest
  • Spotify
bottom of page